Donnerstag, 31. Juli 2014
Theaterstraße
mfw, 01:32h
Tag für Tag folge ich dem gleichen Stück, betrachte es von meiner Loge am Fenster aus.
Es sind Laiendarsteller, doch sie haben ihr Stück gut einstudiert und einige sind zu dem recht talentiert.
Das Stück hat aber auch improvisierte Elemente und wird mir deshalb bis jetzt nicht langweilig.
Es gibt aufs und abs, Szenen die beruhigen, vorbeifließen, ärgern oder überraschen.
Manche Künstler zu interpretieren wird mich noch einige Zeit kosten, doch wird diese Zeit nicht für umsonst sein.
erster Akt, erste Szene
Eine schlanke Katze betritt den Gehweg, sie ist in der Grundfarbe weiß und hat mehrere braune Flecken, die einen dunkler, die anderen heller und manche wiederum größer und andere kleiner. Ihr Alter zu schätzen ist schwierig, sie wirkt geschmeidig, geht aber besonders in den Schulterbereich mit jedem Schritt tief. Sie scheint erfahren, aber noch nicht gebrechlich. Sie ist eine schöne Katze und geht immer nur bei Sonnenschein, ständig von links nach rechts entlang. Dabei schenkt sie ihrer Umwelt keinen Seitenblick, sie kennt ihren Weg und scheint selbstsicher und selbstbewusst genug zu sein, um ihr Ziel nicht aus den Augen zu verlieren.
erster Akt, zweite Szene
Am Anfang passiert nichts, bereits der dritte Spannungsbogen liegt zerborsten in der Ecke, als ein immer lauter werdendes klackern die Szene endlich belebt. Das Klackern kommt von rechts. Die Augen suchen die Grenze zwischen Fensterrahmen und weitem Sichtfeld begierig ab, um den ersten Blick der neuen Szene nicht zu verpassen. Das Klackern wird lauter, lauter und lauter. Langsam beginnt das Gehirn sich passende Bilder aus dem Gedächtnis heraus zu bauen, die Bilder verheißen eine Wohltat für die Augen. Dann, kaum recht bemerkt, befinden sich, die nach Aufmerksamkeit gierenden Schuhe schon im mittleren Sichtfeld. Bewegt werden sie von einer älteren weiblichen Person, geschätzt Mitte/Ende Fünfzig, welche ein weißes Kleid mit kleinen roten Punkten trägt. Ihr ganzes Auftreten scheint indirekt proportional zu ihren Tretern zu sein. Die Gestalt leicht ängstlich geduckt, den Blick halb nach vorn und halb auf den Boden gerichtet und im Gesicht den Ausdruck, sprecht mich nicht an und ich weiß, dass ihr mich alle anschaut, scheint sie der Aufmerksamkeit ihrer Schuhe entfliehen zu wollen, allein es gelingt ihr nicht, auch wenn sie schon wieder, am linken Bildrand, verschwunden ist.
Als Zwischenspiel kommen einige bekannte und unbekannte Gesichter vorbei. Beleben das Bild und überbrücken als Statisten die Zeit, die die eigentlichen Stars für die Vorbereitungen ihrer Auftritte benötigen. Fahrräder werden gefahren, Autos geparkt und gewendet und einige der Statisten scheinen sich im Auge des Betrachters festsetzen zu wollen, in dem sie verhofft und unverhofft von allen Seiten und in den unterschiedlichsten Aufmachungen das Bild betreten. Zwei von Ihnen sind nun schon keine Statisten mehr und werden im zweitem Akt beleuchtet.
Doch noch ein Wort zur gesamten Ausstattung des Stücks. Es werden nicht nur die Augen angesprochen. Nein, scharfe Gerüche ziehen bis zur Nase, des in der Loge sitzenden und wenn sich auch gerade nichts bewegt, zu hören ist immer etwas, entweder, um eine neue Szene zu eröffnen, Spannung zu erzeugen oder einfach die Phantasie anzuregen. Sei es wie es sei, durch die Geräusch wird das kleine Bild zur großen Welt.
zweiter Akt, erste Szene
Sie hat bestimmt einen Namen, ich habe sie "ach nee" getauft. Ein teigiger Klumpen, der seinen Oberkörper in ein Tank-Top gesteckt hat, wobei aber keine definierten Wölbungen auszumachen sind. Das Alter ist schwierig zu schätzen, da der Blick nur ungern auf "ach nee" ruhen bleiben will, getrost lässt es sich mit 15-30 beziffern. Der Gang ist schlürfend, die Arme hängen einfach so als schlafe Glieder herunter und scheinen die Schulter gleich mitzuziehen, wodurch sich eine schüchterne vornübergebeugte Haltung ergibt. Ganz im Widerspruch zu dem wirkt das selig, grinsende, fast dreckige Ausdruck auf dem fleischig breitem Gesicht, mit fliehender Stirn. Zwar schaut sie nicht auf, scheint aber auch so um sich blicken zu können. So geht es in einer Tour von links nach rechts und wieder zurück und manchmal scheint sie einen Kreis zu laufen, denn sie erscheint unerwartet von der anderen Seite. Da kommt "ach nee" auf einmal wieder und was ist das, jetzt raucht sie auch noch, das "ach nee" bekommt eine Steigerung zu "ach nee, nicht wirklich". Doch etwas markantes hat sie schon an sich, sie ist eine Charakterdarstellerin. "ach nee" erfüllt den geneigten Betrachter mit einer stillen Angst, dass das Grinsen ihm gilt und die Regieanweisung kommen wird, dass sie nicht von links nach rechts sondern von vorn nach hinten die Bühne zu durchschreiten hat.
zweiter Akt, zweite Szene
Ein alter Mann mit Hund, ruhig, gesetzt, jeden Schritt aus langer Erfahrung heraus sicher setzend und etwas abgerissen, wackelt mal von rechts nach links und mal von links nach rechts, aber tut dies beständig. Hund und Herrchen haben sich über die Zeit angeähnelt, der Zahn der Zeit hat bei beiden seine Spuren hinterlassen. Beide mit ausgeblichener Haut und hellem Haar. Dem Hund steht es struppig und wirr vom Körper ab. Die Sachen des Mannes könnten sicher auch schon so einige Geschichten erzählen. Ein Ziel scheinen beide nicht mehr zu haben, aber sie gehen in einem Trott. Mal führt der Hund, mal das Herrchen, aber immer zu zweit. Es ist ein harmonische Paar, welches tiefe Ruhe und Entspannung ausstrahlt.
So sieht man es Tag für Tag, doch wenn die Nacht nun naht, dann geht der Vorhang zu, die Schauspieler gönnen sich ihre wohlverdiente Ruhe oder gehen feiern. Jedem, wie es ihm beliebt.
Es sind Laiendarsteller, doch sie haben ihr Stück gut einstudiert und einige sind zu dem recht talentiert.
Das Stück hat aber auch improvisierte Elemente und wird mir deshalb bis jetzt nicht langweilig.
Es gibt aufs und abs, Szenen die beruhigen, vorbeifließen, ärgern oder überraschen.
Manche Künstler zu interpretieren wird mich noch einige Zeit kosten, doch wird diese Zeit nicht für umsonst sein.
erster Akt, erste Szene
Eine schlanke Katze betritt den Gehweg, sie ist in der Grundfarbe weiß und hat mehrere braune Flecken, die einen dunkler, die anderen heller und manche wiederum größer und andere kleiner. Ihr Alter zu schätzen ist schwierig, sie wirkt geschmeidig, geht aber besonders in den Schulterbereich mit jedem Schritt tief. Sie scheint erfahren, aber noch nicht gebrechlich. Sie ist eine schöne Katze und geht immer nur bei Sonnenschein, ständig von links nach rechts entlang. Dabei schenkt sie ihrer Umwelt keinen Seitenblick, sie kennt ihren Weg und scheint selbstsicher und selbstbewusst genug zu sein, um ihr Ziel nicht aus den Augen zu verlieren.
erster Akt, zweite Szene
Am Anfang passiert nichts, bereits der dritte Spannungsbogen liegt zerborsten in der Ecke, als ein immer lauter werdendes klackern die Szene endlich belebt. Das Klackern kommt von rechts. Die Augen suchen die Grenze zwischen Fensterrahmen und weitem Sichtfeld begierig ab, um den ersten Blick der neuen Szene nicht zu verpassen. Das Klackern wird lauter, lauter und lauter. Langsam beginnt das Gehirn sich passende Bilder aus dem Gedächtnis heraus zu bauen, die Bilder verheißen eine Wohltat für die Augen. Dann, kaum recht bemerkt, befinden sich, die nach Aufmerksamkeit gierenden Schuhe schon im mittleren Sichtfeld. Bewegt werden sie von einer älteren weiblichen Person, geschätzt Mitte/Ende Fünfzig, welche ein weißes Kleid mit kleinen roten Punkten trägt. Ihr ganzes Auftreten scheint indirekt proportional zu ihren Tretern zu sein. Die Gestalt leicht ängstlich geduckt, den Blick halb nach vorn und halb auf den Boden gerichtet und im Gesicht den Ausdruck, sprecht mich nicht an und ich weiß, dass ihr mich alle anschaut, scheint sie der Aufmerksamkeit ihrer Schuhe entfliehen zu wollen, allein es gelingt ihr nicht, auch wenn sie schon wieder, am linken Bildrand, verschwunden ist.
Als Zwischenspiel kommen einige bekannte und unbekannte Gesichter vorbei. Beleben das Bild und überbrücken als Statisten die Zeit, die die eigentlichen Stars für die Vorbereitungen ihrer Auftritte benötigen. Fahrräder werden gefahren, Autos geparkt und gewendet und einige der Statisten scheinen sich im Auge des Betrachters festsetzen zu wollen, in dem sie verhofft und unverhofft von allen Seiten und in den unterschiedlichsten Aufmachungen das Bild betreten. Zwei von Ihnen sind nun schon keine Statisten mehr und werden im zweitem Akt beleuchtet.
Doch noch ein Wort zur gesamten Ausstattung des Stücks. Es werden nicht nur die Augen angesprochen. Nein, scharfe Gerüche ziehen bis zur Nase, des in der Loge sitzenden und wenn sich auch gerade nichts bewegt, zu hören ist immer etwas, entweder, um eine neue Szene zu eröffnen, Spannung zu erzeugen oder einfach die Phantasie anzuregen. Sei es wie es sei, durch die Geräusch wird das kleine Bild zur großen Welt.
zweiter Akt, erste Szene
Sie hat bestimmt einen Namen, ich habe sie "ach nee" getauft. Ein teigiger Klumpen, der seinen Oberkörper in ein Tank-Top gesteckt hat, wobei aber keine definierten Wölbungen auszumachen sind. Das Alter ist schwierig zu schätzen, da der Blick nur ungern auf "ach nee" ruhen bleiben will, getrost lässt es sich mit 15-30 beziffern. Der Gang ist schlürfend, die Arme hängen einfach so als schlafe Glieder herunter und scheinen die Schulter gleich mitzuziehen, wodurch sich eine schüchterne vornübergebeugte Haltung ergibt. Ganz im Widerspruch zu dem wirkt das selig, grinsende, fast dreckige Ausdruck auf dem fleischig breitem Gesicht, mit fliehender Stirn. Zwar schaut sie nicht auf, scheint aber auch so um sich blicken zu können. So geht es in einer Tour von links nach rechts und wieder zurück und manchmal scheint sie einen Kreis zu laufen, denn sie erscheint unerwartet von der anderen Seite. Da kommt "ach nee" auf einmal wieder und was ist das, jetzt raucht sie auch noch, das "ach nee" bekommt eine Steigerung zu "ach nee, nicht wirklich". Doch etwas markantes hat sie schon an sich, sie ist eine Charakterdarstellerin. "ach nee" erfüllt den geneigten Betrachter mit einer stillen Angst, dass das Grinsen ihm gilt und die Regieanweisung kommen wird, dass sie nicht von links nach rechts sondern von vorn nach hinten die Bühne zu durchschreiten hat.
zweiter Akt, zweite Szene
Ein alter Mann mit Hund, ruhig, gesetzt, jeden Schritt aus langer Erfahrung heraus sicher setzend und etwas abgerissen, wackelt mal von rechts nach links und mal von links nach rechts, aber tut dies beständig. Hund und Herrchen haben sich über die Zeit angeähnelt, der Zahn der Zeit hat bei beiden seine Spuren hinterlassen. Beide mit ausgeblichener Haut und hellem Haar. Dem Hund steht es struppig und wirr vom Körper ab. Die Sachen des Mannes könnten sicher auch schon so einige Geschichten erzählen. Ein Ziel scheinen beide nicht mehr zu haben, aber sie gehen in einem Trott. Mal führt der Hund, mal das Herrchen, aber immer zu zweit. Es ist ein harmonische Paar, welches tiefe Ruhe und Entspannung ausstrahlt.
So sieht man es Tag für Tag, doch wenn die Nacht nun naht, dann geht der Vorhang zu, die Schauspieler gönnen sich ihre wohlverdiente Ruhe oder gehen feiern. Jedem, wie es ihm beliebt.
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