Montag, 7. April 2014
Was das Häschen nicht kennt, ist interessant
Geputzt liegt die Möhre auf dem Feld. Sie wirkt unwirklich hindrapiert. Das Häschen weiß nicht, was es davon halten soll. Sonst sind solche Dinger immer nur mit dem Grün (Wo ist das eigentlich?) oben zu sehen. Und es leuchtet nur ganz sacht Orang, umgeben von dreckiger Erde, zu des Häschens Augen. Nun liegt sie da. Blank und offen, selbst die Schale fehlt.
Eine Falle? Wenn ja, dann keine gute. Zu offensichtlich. Denn wer würde eine Möhre so bearbeiten, dass man sie zwar sieht, aber kaum wiedererkennt und sie dann mitten auf dem Feld, so gut sichtbar, liegen lassen?
Könnte es sein, dass ein Wanderer, welcher extra früher aufgestanden ist, um sich Essen für den Weg vorzubereiten, die Möhre schlechte verstaut hatte, so dass sie ihm unbeabsichtigt verloren ging?
Das Häschen hoppelte in einen kleinen Halbkreis um die Möhre herum. Es wollte gegen den Wind gelangen, um zu schnuppern, ob es auch noch Möhre richt. Vielleicht war es ja nur eine Atrappe.
Der Möhrengeruch ergibt ein eindeutiges Ergebnis. Keine Atrappe. Oder wenn, eine gute.
Die Lage hatte sich geändert. Das Häschen war herumgehoppelt und konnte, fast sicher, ausschließen, dass es sich um eine Atrappe handelt. Aber war es nun eine Falle oder nicht. Das Häschen wurde langsam ungeduldig und hatte auch etwas Hunger bekommen. Was sollte es nur essen? Vielleicht, ja vielleicht ein Möhrchen?
Ohne weiter nachzudenken folge es seinem Magen. Einen halben Meter vor der Möhre passierte nichts. Fünf Zentimeter vor der Möhre passierte immer noch nichts. Reinbeißen, kauen, schlucken - nichts passiert. Kurze Zeit darauf veränderte sich etwas, das Hungergefühl wisch, dafür machte sich eine Schläfrigkeit am hellem Tag breit. Schlafend wurde das Häschen von Wissenschaftlern aufgesammelt. Diese hatten ein Narkotikum in der Möhre plaziert, um die Hasenpopulation untersuchen zu können. Sie warteten weit genug entfernt in einen Gebüsch, mit Ferngläsern bewaffnet, um der Szene zu folgen.
Einen kleinen Fehler hatten sie gemacht, sie hatten mit größeren Hasen gerechnet.
Das Häschen war entschlafen noch bevor die Wissenschaftler etwas machen konnten.
23 Zentimeter lang, 278 Gramm schwer, dichtes Fell, männlich, ca. ein halbes Jahr alt.

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