Montag, 10. Februar 2014
Freudenfeuer
mfw, 22:34h
Der heldenhafte Holger, der zwergige Zwerg Amal, das edle Roß Prodoff und das sprechende Schild Tapis saßen in einem Kreis, obwohl Kreis ist bei vier Teilnehmern sehr übertrieben, zumal in dieser Szene Prodoff und Tapis an Holger lehnen und deshalb eher davon die Sprache sein kann, dass alle auf einer Linie sitzen. Der mitgenommene Zwerg, hatte alle zu einem Gespräch einberufen. Die anderen hatten es gehört und wollten zuhören, doch wandte sich der vom Schicksal geschundene um das Beginnen des Gesprächs, da er es gewohnt war auf andere Reden einzugehen, nicht aber die Reden selber zu führen. So schauten alle in die Runde. Der mächtige Held schaute etwas teilnahmslos. Er war noch etwas Müde, doch hatten ihn die vergangenen Erlebnisse so mitgenommen, dass er wach bleiben wollte, um mehr über sie zu erfahren. Der unglaubliche Rispenkorn kam darüber hinaus mit der Situation des Schweigens nicht so recht klar und lachte deshalb still in sich hinein. Das sonst so hilfsbereite Steckenpferd stand in dieser Situation praktisch vor einem Oxer und wusste nicht weiter, da es, wie schon erwähnt, nicht sprechen konnte. Für das mystische Tapis war alles neu, war es doch bis vor kurzem im Erdreich versteckt, unter dem Oliverbaum herangewachsen. Und es konnte sowieso erst seit dieser Zeit sprechen. Wie stand es eigentlich mit dem Denken? Das wusste es nicht. In der Stille der Runde, die wie oben angedeutet so flach war, dass man auch von einer Ovalen sprechen kann, drängte sich ihm ein Gedanke auf. Nein, es war eher ein Gefühl! Die Blätter des Baums müssen gekocht werden! Die Blätter des Oliverbaums müssen gekocht werden! Die Blätter des OLIVERBAUMS müssen GEKOCHT werden! Das aufgewühlte Tapis schrie: "OLIVERBAUM, KOCHEN!". Der sitzende Amal starrte das wieder ruhige Schild an. Das war sein Einstieg. Und das war der Gedanke! Ein Gedanke, den er schon vergessen hatte und den er eigentlich gar nicht ausspreche wollte. Aber er war richtig! Der kleine Amal, der übrigens für einen Zwerg gar nicht so klein war, er gehörte schon eher zu den großen seiner Art, sprang auf und deutete auf den verknubbelten, am Boden liegenden. Auch er stieß, stoßweise: "Oliverbaum, kochen!" aus. Der aufschauende Holger sagte nur: "O.k.". Damit gab er zugleich sein Einverständnis zur geplanten Aktion und wiederholte, das von den anderen gesagte, in abgekürzter Art und Weise. Sie waren sich einig. Der weltgewandte Amal machte sich nun daran ein paar Erklärungen zu liefern und somit das Erlebnis der jüngsten Vergangenheit dem, der Erlebnisse der jüngeren Vergangenheit, vorzuziehen. Das Kindchschema der Erlebnisse, die Aktualität, zwang ihn unbewusst dazu. Er wendete sein Haupt der Erde zu und fragte den, vor nicht allzu langer Zeit noch komplett erschöpften, Helden, ob dieser den Oliverbaum komplett aus dem entstandenen Erdloch ziehen könne? Der aufgesprungene Holger spannte den willfährigen Prodoff an und machte sich ans Werk. Amal instruierte weiter: alle Blätter müssen sorgsam abgezupft und das Holz mit möglichst großer Gewalt in die kleinsten Stücke zerkleinert werden. Der abendteuerversessene Rispenkorn, witterte etwas an der Sache und ließ alles über sich ergehen, er sollte die Äste, möglichst weit am Stamm abbrechen und diese dem anleitenden Zwerg vorlegen. Danach ließ er mit Prodoff zusammen seine Kräfte am Stamm spielen. Tapis lag bei der ganzen Szene am Boden und schaute zu. Es wusste es war richtig, was seine drei neuen Freunde da machten, es wusste nur noch nicht warum es richtig war. Der Oliverbaum hatte viele Blätter, doch waren diese sehr dünn und schmal, weshalb alle in einer metallenen Brotbüchse, welche der arbeitseifrige Amal mit sich führte, Platz fanden. Seine Aufregung und Gedankenspiele fanden ihren plastischen Ausdruck dadurch, dass er kontinuierlich Schleim ausspuckte, welcher, mit etwas Phantasie, einen mittelgroßen, grün-gelben Oliverbaum bildete. Der großartige Held und sein edles Prodoff hatten sich mit solcher Hingabe in ihre Arbeit gegeben, dass sie vom brotdosen schließenden Zwerg gebremst werden mussten. Der wissende Amal lächelte sanft die geleistete Arbeit und nahm sorgfältig eine Flüssigkeitsansammlung in Augenschein, welche sich durch den, durchs treten, ausgetretenen Baumsaft gebildet hatte. Er öffnete die Brotbüchse und gab so viel Baumsaft hinein, bis diese gefüllt war. Nun, ganz unter Strom, leitete er seine Arbeitskräfte, den schweratmeten Rispenkorn und das ruhige Steckenpferd, dazu an, alle Holzteile, die sie finden konnten, in das Loch, in welchem der Oliverbaum gestanden hatte zu tragen. Der nicht weiter erklärende Amal zauberte aus seiner Jackentasche zwei geschliffene Glaslinsen hervor. Das eine konvex, das andere konkav. Die konvexe war aber leicht gerissen. Der bedeutsame Zwerg steckte diese zurück. Nahm die konkave Linse zwischen seinen Ring und Mittelfinder der linken Hand und schüttelte diese dreimal kräftig. Oh Wunder die konkave Glaslinse war auf einmal konvex. Der unbeeindruckt, aber umso beeindruckendere Amal setze sich an den Rand des fertigen Holzhaufens, drückte ein paar Holzstückchen zusammen, so dass eine leichte Einhöhlung entstand und leitete die Sonnenstrahlen, gebündelt auf den Fuß dieser Einhöhlung. Erst stieg Rauch auf und mit einem kurzen intensiven, aber erwarteten Wusch, war die erste Flamme zu sehen. Nun wurde der pyromanisierende Zwerg etwas geschäftiger. Hatte er doch vergessen, die Brotbüchse auf der Spitze des Haufens zu platzieren. Die anderen drei schauten gebannt zu und feierten den leicht angesengten, als dieser sein Werk vollendete mit einem frenetischen Applaus, nur unser Held Holger Rispenkorn klatschte. Am Feuer sitzend war die richtige Stimmung geschaffen, obwohl es noch Taghell war, um über alles reden zu können.
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