Montag, 18. November 2013
Die Wolke im Wald
mfw, 00:46h
Eine matte Helle umgibt mich. Sie kühlt schon fast zu sehr. Ich bin den ganzen Weg gerannt, aus dem tiefen Tal bis hoch zum Wald und nun, mitten im Nebel, schaue ich mich das erste Mal wieder um. Und merke, der Nebel kommt mir bekannt vor. Der Rest aber nicht. Ich atme schwer, der Aufstieg war anstrengend, aber ich wollte die Strecke hinter mir lassen. Eigentlich war ich vor nichts direkt geflüchtet, ich musste einfach nur raus - den Kopf frei bekommen. In die Natur vorstoßen, einfach sein, den Kopf ausschalten und den Körper spüren. - Ich spürte ihn. Letztendlich hatte mich auch das Seitenstechen zum Anhalten bewegt. Ich bin mir gerade unsicher, ob ich noch auf dem Waldweg bin oder einfach so Mitten im Wald. Es liegen viele Blätter unter meinen Füßen, ich kann aber nicht ergründen, ob darunter ein Waldweg verläuft oder sich der weiche Waldboden befindet. Im Allgemeinen ist es gerade schwierig auch nur irgendetwas zu ergründen. Die matte Helle wirkt irgendwie immer matter. Auf die Helligkeit wirft sich in alle Richtungen ein Schatten, so als ob jemand eine Lampe mit einem dünnen Tuch abdecket. Meinen Körper geht es von Sekunde zu Sekunde wieder besser, er wird sogar schon wieder etwas kalt. Mein Kopf hingegen hatte es nicht geschafft, sich frei von Gedanken zu machen. Ok, vielleicht kurz in der Zeit, als er mich hierher führte, aber jetzt ratterte er wieder wie wild. Ich glaube schon fast der Nebel ist einfach nur Qualm, der aus meinem Kopf strömt. Dies würde einen lustigen Anblick für andere Waldbesucher ergeben, denn ich hatte mich wieder in Bewegung gesetzt und so würden sie eine wandelnde Dampfwolke im Wald erblicken. Ich ergebe mich also in mein Schicksal, die Orientierung für eine Weile verloren zu haben und versuche so gut es geht den Bäumen auszuweichen. Rechts und links von mir raschelt es immer mal wieder im Unterholz und ich zucke zusammen und beschleunige meinen Schritt, was mich zweimal fast zu Fall gebracht hätte. Mein Kopf meldet sich: Du bist auf einem Berg. Gibt es hier irgendwo einen Abhang, zu dem du jetzt nicht unbedingt gehen solltest? Ja schon aber der Abhang war so weit weg, da war es unwahrscheinlich in seiner Nähe herum zu stolpern. Der Kopf, dieser ständiger Begleiter, meldete sich aufs neue: Mensch. Wo Menschen sind, da ist auch Krach! Gut gemeint, nur schluckt der Nebel eine Menge an Geräuschen, so dass mein eigenes Geschnaufe so ziemlich das Einzigste ist, was an mein Ohr dringt. Nun also schon wieder eine Entscheidung: Entweder weiter laufen und etwas finden oder still sitzen bleiben und auf ein Geräusch hoffen, dass nicht von mir selber kommt. Ich bleibe sitzen. Ein fester Standpunkt ist wichtig! Langsam wird es leiser um mich herum. Welchen Laut erwartete ich eigentlich? Auf was sollte ich besonders achten? Auf eine Kuhherde? Waldarbeiter? Straßenlärm? Kreischende Kinder? - Da klingelte auf einmal etwas entfernt, direkt vor mir. Es war das Geläut von Kirchenglocken. Der Nebel scheint sich zu lichten und das Läuten wird immer lauter. Ich gehe ihm entgegen und denke:
Ich bin gerettet. Ich komme nach Hause.
Ich bin gerettet. Ich komme nach Hause.
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