Donnerstag, 6. Februar 2014
ein ruhiges Gespräch
Da hängt er rum.
Grau, schlapp und unbenutzt.
Ihn einem Namen zu geben, wäre viel zu viel.
Auf ihn einsprechen?
ER HAT SEINEN EIGENEN KOPF!
Vom Gespräch erregt, gerät er in Rage.
Aus Rage wird rouge.
Er kann sich kaum halten -
und es spritzt einfach so durch den Raum.
Dann geht er,
mit vielen Worten und ohne etwas zu sagen.
Alte Männer, die sich nicht im Griff haben,
sind wie junge Burschen in der Pubertät.
Zorn und Extase.
Spucke und Sperma.
einerlei

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Mittwoch, 5. Februar 2014
verdeckt, versteckt und aufgehoben
Holger der Größere und Amal, der vormals den Namen Holger junior getragen hatte, schauten sich an. Der Zwerg war unschlüssig, was er sagen sollte bzw. durfte. Der edle Rispenkorn wusste nicht, warum ihn der Kleine anschaute. Da knorzte der Oliverbaum. Der haltlose Held hatte sich aus seiner schiefen Lage aufgerichtet und nun geriet der verknubbelte Baum in eine beträchtliche Schieflage, geschuldet dem Druck, den das sanftmütige Steckenpferd Prodoff auf ihn ausübte. Der erfahrene Hengst macht in dieser Situation nur große Augen. Die beiden Unschlüssigen sprachen ihr nächstes Handeln mit einem Blick ab. Beide sprangen auf Prodoff zu, krachten auf halbem Wege zusammen und mussten im Fallen zusehen, wie der krumme blätterbehangene und das Roß es ihnen gleich taten. Unser Held und der geschunden aussehende Amal hatten den gleichen Gedanken gehabt: "Ich nehme das Pferd und du hältst den Baum". Doch war es in diesem Falle hinderlich, dass exakt Selbe zu denken. (Und ja es war das Selbe, den ihre Gedanken glichen sich Wort für Wort und auch keiner dachte an eine gleiche Szene mit einem Baum und einem Pferd in nächster Nähe.)
Der unnachgiebige Holger überlegte kurz, ob er den geschundenen Zwerg etwas weiter schinden oder, da er nun ja wieder lag, seiner Traumfrau hinterher eilen sollte. Der gewiefte Amal erkannte die Gedankenspiele und begann sofort zu lachen. Er wollte keinen physische Schmerzen, durch den größeren, empfangen. Seinen Körper konnte er so schützen, doch die Auswirkungen, dieser unverhoffte und bisher noch nicht sehr stark ergründeten Bekanntschaft, auf seine Psyche konnte und wollte er noch nicht abschätzen. Der lebenslustige Rispenkorn stimmte, ohne weiter einen Grund dafür zu kennen, mit in das Gelächter ein. Auch Prodoff ließ lustige Laute hören. Doch was? Das ebenholzfarbene Steckenpferd zeichnete sich bisher dadurch aus, still gewesen zu sein. Und nein, das war kein Lachen, es war ein jämmerliches heulen. Hatte sich Prodoff erschreckt? Oder schlimmer noch, hatte er sich verletzt? Ein Zucken ging durch den sonst so zuckfreien Holger. Er spürte etwas. Konnte es sein, dass die Verbindung zu Prodoff, welche aus der Zeit des wilden Hüpfens und der Verschmelzung zu Proholdoffger, rührte, zu einer interkörperlichen Verbindung geführt hatte? Nein! Das Zucken kam vom blitzgescheiten Amal, welcher ihn am Hosenbein zupfte, da Holger der Schwerfüßige, mit geöffneten Mund die Szene betrachtete, wobei er, als Proteinsnack, schon die ein oder andere Fliege verschluckt hatte. Bei genauerem hinsehen, sah man, nicht nur dass man sehen konnte. Denn die Bilder erreichten das Auge und gingen von da an ins Gehirn und erschufen da, oh wunderlich, ein Bild, dass viele in selber Weise zu deuten wussten. Sie sahen, dass dem glücklichen Roß, zum Glück, kein Unglück zugestoßen war. Und der stille Prodoff verblieb weiter, in seiner gewohnten, dem gesprochenen Wort abgewandten, Weise. Doch was war das? An der Unterseite des Wurzeltellers befand sich etwas. Der wohl beflissene Zwerg, ärgerte seinen Hort der Psyche mit der physischen Gewalt seiner Hand, in dem er sich krachend gegen den Kopf schlug. Natürlich! Er wusste es doch eigentlich! Der Oliverbaum, war gar kein gewöhnlicher Baum. Nein, er war eher eine Produktionsstätte für Waffen der Selbstverteidigung. Sprich, es wuchs ein Schild unter jedem dieser Bäume heran, die, wenn sie fertig gereift und mächtig waren, sogar Sprechen konnten. Die Geburt eines solchen Schildes ist aber eher schrecklich. Das an die Oberfläche geworfene Schild schrie, da es abrupt in einen Lebensabschnittswechsel unterzogen wurden war. Unter dem Wurzelteller war es angenehm stickig und dunkel gewesen. Und es war zu dem durch den Wurzelteller geschützt gewesen, weshalb seine eigene Außenhaut, auch um das Wachstum ermöglichen zu können, weich war. Die Natur hatte es so eingerichtet, dass die Haut bei Kontakt mit Sauerstoff steinhart und noch härter wurde, im inneren aber noch flexibel blieb und dass sich ein solches Schild auf die Person prägt, welche es als erstes nach seinem Namen fragt. Nach dem, der kleine große Denker, Amal sich das alles wieder ins Gedächtnis gerufen hatte, atmete er tief ein, um die wichtigste Frage, seines bisherigen Lebens zu stellen. In diesem Augenblick dröhnte Holger der genervte: "Wer macht hier so ein Krach?". Und das Schild antwortete: "Ich, Tapis." Und war auf der Stelle ruhig. Unser, von Fortuna so geliebter, Held ergriff mit der einen Hand den liegenden Prodoff und mit der anderen das, ihm neue, Tapis.
Der so übergangene Zwerg zitterte und fragte mit eben dieser Stimme nach einem Schluck Kräutersud. Der immer trinkbereite Rispenkorn stimmte in den Vorschlag ein, setzte sich und ließ Prodoff an seiner linken Schulter angelehnt. Das neu dazugehobene Schild machte es sich, auf das rechte Bein, seines neuen Herrn, aufgelehnt, bequem. Ausnahmslos alle nahmen einen Schluck herrlichen Schnaps, wobei der ins glasschauende Holger darauf achtete, dass die Schlücke der anderen nicht zu groß ausfielen. Nach wenigen Minuten begann Amal zu reden. Er wollte jetzt erst einmal nicht weiter ziehen, es hatten sich zu viele Fragen angestaut und auch einige der Erlebnisse der jüngeren Vergangenheit mussten besprochen werden, so dass jeder in der Runde über den gleichen Wissenstand verfüge. Zumindest über das, was gerade wichtig genug war und nicht zu viel, um den großköpfigen Rispenkorn nicht zu ermüden. Tapis stimmte ein, denn es hatte bisher noch nicht viel gesprochen und es kannte von den jüngsten Erlebnissen nur eins, und dies betraf es selbst. Da es nicht eitel war, konnte dieses Erlebnis getrost übergangen werden. Auch freute es sich wahrscheinlich am meisten in der Runde auf das folgende Gespräch.
Unser Held, der unvergleichbare Holger Rispenkorn, schaute unversehens in sein Flasche. Viel war ihm nicht geblieben.

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Mittwoch, 5. Februar 2014
der Traum
Holger schlief, schief angelehnt an einem Baum, den er beim Suchen einer Raststätte und dem Erblicken des Mooses, völlig übersehen hatte. Dieser, zugegebener Maßen, nicht schöne, verknubbelten Oliverbaum drohte unter der Last des ermüdeten Helden umzukippen, weshalb der blitzgescheite Amal, den halsstarren Prodoff, mit etwas Anstrengung, an die gegenüberliegende Seite bugsierte und somit den Kahn richtete.
Holger bekam von der ganzen Sache gar nichts mehr mit. Und sein ganz individuelles Gehirn, so wie es ihm eigen ist, zeigte ihm Szenen, die er nie, zumindest nicht bis zum nächstem Essen, vergessen sollte. Dem unübertroffenen Rispenkorn, war das Essen, die einfachste aller Arten und Weisen, um zu zeigen, dass man lebt, so wichtig, dass er darüber so ziemlich alles vergaß, ausgenommen er schrieb sich das Wichtigste auf eine Serviette, mit der er sich nach dem Essen die Mundwinkel abzutupfen pflegte. Da unser starker Held aber im Schreiben eher schwach war, schrieb er nie alles auf, was ihm beschäftigte. Manchmal auch nur das Naheliegendste, so dass meistens nur ein Stichpunkt auf der Serviette des Wissens, wie Holger sie nannte, vermerkt war. Nämlich: Lecker Essen. Naja, vor dem Vergessen kam aber immer noch das Erleben oder, in diesem Falle, richtiger ausgedrückt, das Erträumen.
Holger der Berüchtigte überquerte einen Gebirgsbach und ging immer wieder durch schluchtenhafte Gebiete. Er ging auch durch einen Park und ab und an kamen sehr schnelle Pferdkutschen, auf ausgefahrenen Wegen an ihm vorbeigeschossen, denen er ausweichen musste. Was aber nicht schwer war, denn der gewiefte Rispenkorn erkannte schnell, dass diese Pferde, die Flächen, abseits des Weges, scheuten und er so dort vor ihnen sicher war. Doch er war nicht allein, nein er war in Begleitung einer Lichtgestalt, die mit ihrem Lachen, seinen Weg bereitete. Ging er eigentlich? Oder schwebte er nur um diese Gestalt herum? Sie rief immer wieder nach ihm. Und auch wenn er stehen bleiben wollte, so zog es ihm mit unbändiger Kraft durch die Gegend. Es zog direkt am Bauch und führte ihn mit. Langsam Begriff, der träumende Holger, dass es nicht nur die anmutige Gestalt des engelsgleichen Geschöpfes war, die ihm fesselte. Nein, um seinen Bauch lag ein Seil mit einer Schlinge, vielleicht einstmals ein Lasso, ausgesandt, um ihn zu fangen. Das Seil führte direkt zu der Erscheinung, welche wiederum unseren geleiteten Helden führte. Der sonst so trinkfeste Rispenkorn wusste nicht was er machen sollte, sollte er versuchen aus der Umklammerung zu entkommen, da man ja meist nicht ohne Grund eine Schlinge um den Bauch führt. Oder sollte er diesen kleinen Fakt der gespiegelten Selbstbestimmung, gedanklich Abstreifen, um sich liebestrunken an diesem Engel zu erfrischen? Selbst mit der Gefahr, sich zu übernehmen und am Ende am Randstein des Lebens, direkt neben den Pferdekutschen, am nächsten Tage zu erwachen und sich dann fragen zu müssen: "Ob die himmlische Erscheinung Realität oder Fiktion gewesen war?".
Etwas machte Kling, in des unersättlichen Kopf. Ein Traum... hmmm. Unser edle Held überlegte. Schaute sich um und merkte, dass er während seiner Überlegungen umgerissen wurden sein musste, denn er lag auf dem Boden. Auch ging es gerade nicht weiter, da sein Kopf an einem Laternenpfahl eingerastet war - daher wahrscheinlich auch das Kling. Doch halt! Ein Traum, ja, er war in einem Traum, die Gestalt also nur ein Trugbild, ein von seinem Verstand herbeigebrachtes Gemälde der Schönheit, was ihm fesselte und zugleich erschreckte. Der unvergleichbare Holger Rispenkorn zwang sich aufzuwachen. Er zwang sich auch, die Gestalt des Wesens in seinem Kopf zu stellen, doch beim Anblick von Amal, der seinen Kopf ungefähr zwei Zentimeter vor dem Gesicht des erwachten Helden platziert hatte, entglitten dem freiheitsliebenden Rispenkorn, die Erinnerung. Bis, ja bis auf einem sanften Schein. Er zog sofort sein Essbesteck hervor, ein Fleischermesser und eine Gabel, diese würde er ab nun stets mit ein und der selben Serviette umhüllen. Eine Serviette, die nun an erster Stelle den Stichpunkt: "Traumfrau", in krakeliger Schrift, trug. Der wachende Amal, der, seid dem Erwachen Holgers, sich nur wenige Millimeter vom Gesicht des zuvor genannten, entfernt hatte, setzte zu einer Frage an. Doch irgend etwas ließ den Gesichtsfurchen forschenden Zwerg verstummen, als er den resultierenden Veränderungen, in des Heldens Gesicht, gewahr wurde.

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