Dienstag, 4. Februar 2014
Reisestrapazen
Amal klammerte sich am großartigem Holger fest. Holger und Prodoff verschmolzen nach und nach wieder zu Proholdoffger mit Amal auf dem Rücken, man könnte das Wesen auch Proholadoffgermal nennen. Ein zugegebener maßen langatmiger Name, aber treffend. Zu Beginn, der wieder aufgenommenen Reise, hatte der kleine, schmutzige Amal noch versucht mit dem unübertroffenem Rispenkorn ein Gespräch aufzunehmen. Doch ließ dies der geschundene bleiben, als er merkte, dass unser Held sich komplett auf das Hüpfen konzentrieren musste, um nicht zu stürzen. Er war auch überrascht, dass die Reise in einem solchen Tempo von statten ging. Der vom Schicksal getroffene Amal versuchte etwas Ruhe, in den rhythmischen Bewegungen, des Voranstrebens, zu finden. Dies gelang ihm auch und so begann er mit seiner Lieblingsbeschäftigung. Er zog einen ganzen Batzen grünen Schleim aus seinem Rachen hoch und spuckte ihn genüsslich aus. In dem Moment, als der Schleim durch die Luft segelt, konnte der Zwerg am Bestem überlegen. Und es gab viele Dinge, die er sich durch den Kopf gehen lassen musste. Der Schleimvorrat bildete bei den Überlegungen keinen limitierenden Faktor, da es sein Körper stets so einrichtete, dass er genügend Schleim vorrätig hatte. Manche meinten schon, dass Amal gar kein Zwerg sei, sondern sein Körper die Energie immer in den Schleim gesetzt hatte und nicht in das Körperlängenwachstum. Doch war dies dem gerissenen Amal egal, da die geringere Körpergröße, durch seine Spuckideen, mehr als ausgeglichen wurde. Und seine Zugehörigkeit zu dem edlen Volk der Zwerge, konnte durch seine Ohren bewiesen werden. Wobei das Rechte momentan gerissener war, als Amal selbst. Amal überlegte seine Lage und dachte über seine nächsten Schritte nach. Als auf einem Mal seinen Überlegungen nicht mehr so flüssig liefen. Es hatte sich etwas verändert. Proholadoffgermal war nicht mehr. Der kaum vergleichbare Holger hatte sich übernommen, er hatte nicht an die zusätzliche Last gedachte, die er sich und seinem starken Hengst Prodoff, mit dem Zwerg Amal aufgebürdet hatte. Holger hatte sich verschätzt und musste nun seinen eigenen Kräfte, von denen kaum noch die Rede sein konnte, den gebührenden Respekt zollen. Wie ein Vogel, dessen einen Flügel man gestutzt hatte, damit er nicht wegfliegen könne, der dann aber irgendwie auf eine Erhöhung geklettert ist und sich in die, sonst so gewohnte, luftige Tiefe, stürzt, trudelte der stolze Rispenkorn über den Weg, Ausschau haltend, nach einen Platz zum verschnaufen. Die Suche wurde länger und länger, man könnte meinen, mit jedem Augenblick den unser Held nach einer Ruhestätte fahndete, wurde die Suche länger und im gleichem Maße stieg die Attraktivität der kleinsten, staubige Stätte, in des ritterlichen Rispenkorns Augen, zu einem wahren Palast der Restauration zu werden. Als ein solcher Platz gefunden, der sich nur dadurch von den anderen unterschied, dass hier das Moos ein wenig dicker und weicher aussah, ließ sich der erschlaffte Große fallen und brachte mit letzter Willensstärke noch Worte hervor, die den kleinen Amal dazu anleiten sollten, Prodoff zu versorgen.
Der einmalige Holger Rispenkorn schlief den Schlaf des Gerechten, der noch nicht gerächt hatte.
Der etwas erfrischter wirkende Amal stand neben ihm, unsicher, wie er mit der neu geschaffenen Situation umgehen solle und spuckte erst einmal aus.

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