Samstag, 11. Januar 2014
Vom Wind hin und her geworfen
Als ich jünger war, ließ ich, immer bei stürmischen Wetter, meinen Drachen steigen. Es ist ein schöner großer Drachen, denn man auch lenken kann. Und mit dem zu spielen es viel Spaß gemacht hat. Der Drachen lag aber eine ganze Weile lang nur in der Ecke und musste sehn, wie ich ab und an an ihn vorbei gegangen bin, ihn auch ab und an ansah. Nur Stand er die ganze Zeit in der Ecke und glitt nicht durch die Lüfte. Dann kam ein stürmischer Tag, wo verführt von anderen Drachen, mein Drach mir wieder ins Gedächtnis gekommen war. Und da war es wieder, so als ob nichts zwischendurch passiert wäre, gleitete mein Drachen, gelenkt von mir, anmutig durch die Lüfte. Berührt den Boden ab und an, manchmal auch ein bisschen intensiver, aber er verzieh es. Davon angespront nahm ich ihn mit mir, meinen schönen Drachen. Er sollte nie wieder in einer Ecke stehen müssen, ungebraucht und unbeachtet. Doch die Aufbruchsstimmung erlahmte als bald, denn das Wetter spielte nicht mit. War es windig, so hatte ich keine Zeit und wenn ich es bei einer seichten Brise versuchte, so war es meinem Drachen vergönnt die höchsten Höhen zu erklimmen. Er strebte zwar den Wolken zu, strauchelte aber alsbald und lag flach auf dem Boden.
So stehe ich nun, immer auf den Wind wartend, bereit, auf einem weitem Feld und schaue zu meinen Drachen hin, der mich anlächelt, aber auch nicht weiß, ob er je wieder fliegen wird.

... link (0 Kommentare)   ... comment